Lebenserinnerungen von PsychotherapeutInnen sind selten. Und auch Fanita English hatte nicht die Absicht, die Geschichte ihres Lebens aufzuschreiben. Das vorliegende Buch ist auf der Basis von Interviews entstanden, die sie Sigrid Röhl in Kalifornien gab. In "Wie ich wurde, wer ich bin" nimmt Fanita English uns mit auf eine Reise durch ihr Leben: einsame Jugend in Galatz und Istanbul, Aufleben in Wien; Ausbildung zur Sekretärin in London und Arbeit für Warner Brothers in Bukarest; Studium der Kinderpsychologie an der Sorbonne und Lehranalyse; Flucht nach Nizza und Emigration in die USA. Geburt zweier Kinder. Schwierige Jahre in Ehe und Beruf. Arbeit als Kindertherapeutin; parallel dazu eigene Fortbildung bei Eric Berne und Fritz Perls. Mehrere Veröffentlichungen, in denen sie ihre Weiterentwicklung der TA niederlegt. In diesem Buch spricht Fanita English offen über ihre Beziehungen und ihre emotionale Entwicklung. Aber der Leser nimmt nicht nur Teil an ihrem privaten Schicksal; auf der Basis ihrer persönlichen Erlebnisse erklärt English die in ihren Augen wesentlichen Aspekte der Transaktionsanalyse. Dem erfahrenen TA-Therapeuten zeigt diese Biographie, was weiter wirkt: Optimismus, positive Gefühle und ein lebenslanges Training der persönlichen Stärken. RezensionSigrid Röhl hat Fanita English über ihr Leben befragt und daraus eine spannende Biografie gemacht. Das Buch ist zugleich eine Einführung in Grundvorstellungen und Entstehungsgeschichte der humanistischen Psychologie. Fanita English - was für eine Persönlichkeit! Und was für ein Leben: Geboren in Rumänien, aufgewachsen in Istanbul. Die Eltern sprachen Französisch miteinander, die Gouvernante war Österreicherin, das Dienstmädchen Griechin, die Klassenkameradinnen im englischen Gymnasium international. In Paris studierte sie an der Sorbonne bei Piaget. Am Psychologischen Institut der Marie Bonaparte hörte sie Psychoanalyse bei jüdischen Analytikern, die aus Deutschland emigriert waren, wie Heinz Hartmann. Den Dichter lonesco holte sie hinter einem Ofen hervor, hinter den er sich während eines offiziellen Empfangs verkrochen hatte. Bei der Betreuung französischer Familien auf der Flucht lernte sie den Kriminalautor Simenon kennen. Leidenschaftlich engagierte sie sich für den spanischen Widerstandskampf (wie noch heute für Amnesty International). Gerade noch rechtzeitig entkam sie den deutschen Truppen und floh - auf dem letzten Schiff, das Lissabon mit Flüchtlingen verließ - mit ihrer Mutter in die USA. Dort wurde sie Mitarbeiterin von Eric Berne, dem Begründer der Transaktionsanalyse. In Chicago war sie Kollegin von Virginia Satir und Bruno Bettelheim. Fritz Perls, Erfinder der Gestalt-Therapie, warf einen Stuhl nach ihr. In Philadelphia gründete sie ihr eigenes Institut und begann, ihre eigenen prägnanten Theorien zu entwickeln.
Diesen Theorien begegnen wir im Buch in Form von Einschüben. Fanitas Leben dient als Stoff für kurze, prägnante Erklärungen theoretischer Konzepten wie Überlebensschlussfolgerung und Ersatzgefühl, Skript und Kontrakt, Scham und Phobie, dem Drama-Dreieck, den zwei Persönlichkeitstypen Untersicher und Übersicher, den drei Motivatoren Überlebens-, Ausdrucks- und Ruhetrieb. Die Ehe der Eltern, die eigenen Beziehungen und Erfahrungen werden auf diese Weise lebendiges Material psychologischer Reflexion.
Verfasserin des Buches ist Sigrid Röhl, auch wenn im Text Fanita English im Ich-Stil erzählt. Drei Jahre Dialog zwischen beiden Frauen sorgen allerdings dafür, dass tatsächlich Fanitas Leben erzählt wird.
Inzwischen bereist Fanita English, fast neunzigjährig, immer noch monatelang die Welt, hält in voller geistiger Frische Seminare und entwickelt neue Theorien. Martin Koschorke Inhaltsverzeichnis
An die Leserinnen und Leser
Beginn eines langen Gesprächs
Ein Großvater, zwei Mütter und ein ferner Papa
Zwei Ehe-Arrangements
Eine fremde Familie
Frei wie eine Zigeunerin
Very british: Schulzeit in Istanbul
Wenn Liebe erstickt
Who is General Feeling?
Wiener Deutsch
In die weite Welt hinein
Ein geplatzter Traum und ein Prinz im Büro
Trauern verboten
Raus aus Rumänien
Sommer in La Rochelle
Flucht aus Paris
Ein Transitvisum für die USA
Kein Tango in Argentinien
Heimatgefühle in New York
Kein Mann zum Heiraten
Graue Maus in Chicago
Brian und Deirdre
Ridge Farm
Psychoanalyse und kein Ende
Bernes Lieblingsspiel
Erst helfen, dann fragen
Perls' "Heißer Stuhl"
Grumpy Old Man
Harry Segenreich hilft weiter
Okay, aber bitte erwachsen!
Autonom statt unabhängig
Das Lächeln passte nicht
Warum krabbelt ein Kind?
Jacqui Schiff und ihre Kinder
Wie ich arbeite
Eine große Liebe
Die Seele in Indien
Kultur - ein Teil von uns
Brians Tod
Wieder in Europa
TA-Arbeit in Deutschland
Geschichten können helfen
Nachwort von Fanita English
Anhang
Fanita English: Ein Gespräch über Meditation
Michael Paula: Reflexionen zu einer 30-jährigen Wegbegleitung
Stichwortregister
Publikationen von Fanita English
Adressen DGTA/ITAA
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